"Die verdrängte Zeit. Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur im Osten"

Marko Martin im Gespräch mit Wolfgang Templin

Freitag 16. Juli 2021 

19:00 Uhr

 

 

Warum spielt die Kultur bei der Einheit von Ost und West so selten eine Rolle? Diese Frage stellt sich Marko Martin in seinem neuen Buch. Im Gespräch mit Wolfgang Templin geht es sowohl um seine differenzierte aber konsequente Sicht auf ein verschwundenes Land und einer Würdigung von intellektueller Dissidenz und Widerstand, um sich der Frage zu widmen: was heute daraus folgt.

Marko Martin entdeckt die ostdeutsche Avantgarde neu und zeigt, was sie uns heute noch alles sagen kann. Es ist auch ein Gegenentwurf entstanden, der die Erinnerung an die Kultur des Ostens nicht mehr zwischen politisierender Analyse oder apolitischer Ostalgie gefangen hält. 

Die Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit scheint rettungslos zwischen Floskeln eingeklemmt. Weshalb finden sich die, die 89/90 den Umbruch mitgestaltet haben, mit ihren Jugendlektüren, intellektuellen Prägungen oder Musikvorlieben heute beinahe in einer Art bezugsloser terra incognita, während doch gleichzeitig westliche 68er-Erlebnisse längst ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind? Dieses Buch hat nicht den Anspruch einer letztgültigen Alternativ-Geschichte der DDR, es versucht, einen neuen, unideologischen Blick zu eröffnen. Wie etwa sah im eingemauerten Land eine Literatur oder Filmkunst aus, die weder politisch-oppositionell noch staatstragend war, sondern sich ihre Freiheitsräume gewitzt eroberte? Welche Rolle hatten Jazz und Punk? »Die verdrängte Zeit« ist eine provokativ gut gelaunte Erinnerung an weltgewandte Kulturleistungen, die nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht waren – und die nicht wegen, sondern trotz des Regimes entstanden sind.

Marko Martin, Schriftsteller, ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland, wo er seit Jahren in der Menschenrechts-Sektion „Writers in prison“ mitarbeitet. In seinem literarischen Werk beschäftigt er sich vor allem mit Welt- und Fremdheitserfahrungen in Zeiten der Globalisierung.

 
 
Wolfgang Templin ist Philosoph und Publizist. Von 2010 bis 2013 leitete er das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Fragen des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses und der Entwicklungen im östlichen Teil Europas, insbesondere in Polen und der Ukraine. Er war einer der wichtigsten DDR-Bürgerrechtler und Mitgründer der Initiative für Frieden und Menschenrechte.
 

Thomas Irmer ist Theaterkritiker, Literaturwissenschaftler und Autor in Berlin, schreibt seit 2015 regelmäßig für Theater der Zeit und der Freitag. Er ist außerdem zusammen mit Matthias Schmidt Regisseur/Autor von „Die Bühnenrepublik – Theater in der DDR“ (2003) und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur DDR-Theatergeschichte. 

 

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